Erziehungskonzept

Im Schuljahr 2008/2009 führte unsere Schule SEIS durch. Ein Ergebnis dieser Evaluation war die außerordentliche Belastung der Kollegen durch verschieden Faktoren. Unterstützt durch Moderatoren der Regionalen Schulberatung haben wir als Konsequenz des SEIS-Ergebnisses eine ganztägige pädagogische Tagung zum Thema „Von der Belastungsanalyse zur Entlastungsplanung“ durchgeführt. Eruiert wurden dabei die verschiedenen Belastungsfaktoren. Ein sehr großer Belastungsfaktor stellte das Verhalten der Schüler gegenüber den Lehrern dar. Diese Erkenntnis veranlasste die Schule dazu Kollegen fortzubilden und ein konsequentes Erziehungskonzept zu entwickeln.

Im selben Schuljahr fand noch eine Lehrerfortbildung zum Thema „Sicheres Handeln in schwierigen Situationen“ statt, die von Moderatorinnen der Firma TRAINPOOL geleitet wurde.  Innerhalb dieser Fortbildung  stellten  die Moderatorinnen  das Erziehungskonzept „R A D“ (Respekt Aufmerksamkeit Disziplin) vor. Die Einführung dieses Erziehungskonzeptes und die Prozessbegleitung durch TRAINPOOL fand im Kollegium breiten Konsens. Eine eingerichtete Steuergruppe bereitete sechs Aspekte zum Erziehungskonzept vor. Zu Beginn des Schuljahres 2009/2010 wurden dann in einer ganztägigen Lehrerkonferenz mit TRAINPOOL die ersten Elemente des Konzeptes beschlossen. Zu jedem Aspekt gibt es eine klare und konsequente Regelung, die den Kollegen Handlungssicherheit bietet. Seit 2009/2010 wurde unser R A D halbjährlich evaluiert und weiterentwickelt; mindestens einmal im Schuljahr wird die Lehrerkonferenz durch eine Moderatorin von TRAINPOOL geleitet, die bis heute den Prozess begleitet.

R A D bildet somit den Kern unseres Erziehungskonzeptes. Im Folgenden sind die Aspekte von R A D kurz dargestellt.

Zur Unterstützung dieser pädagogischen Grundausrichtung arbeitet unsere Schule schon seit Jahren mit Supervision DGSV.Gewaltprävention (ehemals Trainpool) zusammen, die uns bei der Entwicklung und Umsetzung unseres Erziehungskonzeptes unterstützen.

An unserer Schule steht als pädagogischer Grundsatz eine positive Grundhaltung den Schülern gegenüber zu haben, welche geprägt ist von Verständnis, Fairness und Empathie. Ein wichtiges Element dabei ist eine gelebte Lobkultur, d.h. es soll mehr gelobt als getadelt werden.

Es wurde ein verbindliches Verhaltensregelpaket entwickelt, das bei Fehlverhalten konsequente und angemessene Sanktionen beinhaltet. Im Folgenden sind die bereits umgesetzten Bereiche des Konzeptes dargestellt

Der erste Aspekt stellt die gewaltfreie Schule dar. In unserer Schule soll es keine Gewalt geben. Schüler, die massive Gewalt anwenden werden demnach mit einem Anti-Gewalt-Brief nach Hause geschickt und dürfen erst wieder am Unterricht teilnehmen, wenn sie am nächsten Schultag mit den Eltern ein Gespräch mit der Schulleitung geführt haben.

Der zweite Aspekt beinhaltet den Umgang an der Schule miteinander. Wir wollen einen höflichen, wertschätzenden und respektvollen Umgang an der Schule. Wer massiv beleidigt oder Lehreranweisungen nicht befolgt, bekommt einen Respektbrief mit nach Hause. Dieser Brief sieht neben der Meldung des Sachverhaltes ein telefonisches Gespräch der Eltern mit dem Klassenlehrer vor.

Ein störungsfreier Unterricht ist der dritte Aspekt. Zur Umsetzung des Aspektes richtete die Schule im Schuljahr 2009/2010 einen Trainingsraum ein, der von den Schulsozialarbeiterinnen geleitet und verwaltet wird. Schüler, die den Unterricht nachhaltig stören, werden nach einer Ermahnung mit einem Rückkehrplan in den Trainingsraum geschickt. Dort reflektieren sie ihr Verhalten und füllen den Rückkehrplan aus. Nach Akzeptieren des Rückkehrplans von den Lehrern darf der Schüler wieder am Unterricht teilnehmen.

Der vierte Aspekt bildet die Pünktlichkeit und die Anwesenheit im Unterricht. Schüler, die unpünktlich zum Unterricht erscheinen füllen einen Pünktlichkeitsbogen aus. Wenn Schüler regelmäßig zu spät zum Unterricht erscheinen, werden die Eltern benachrichtigt. Bei unentschuldigten Fehlzeiten hat unsere Schule ebenfalls eine klare und einheitliche Vorgehensweise beschlossen. Bei ersten unentschuldigten Fehlzeiten werden Mahnungen durch den Klassenlehrer verschickt. Ab der 2. Mahnung werden die Schulsozialarbeiterinnen tätig. Sie führen Kontrollgänge durch, vereinbaren Gesprächstermine mit den Eltern und beantragen gegebenenfalls eine polizeiliche Zuführung durch das Ordnungsamt.

Im Schuljahr 2010/2011 wurde der Aspekt Saubere Schule schwerpunktmäßig thematisiert. Hier wurden vor allem Absprachen zur Sauberkeit getroffen wie Organisation der Klassenordnungsdienste und des Hofdienstes. Des Weiteren sollen die Schüler für das Thema Sauberkeit durch die Klassenlehrer sensibilisiert werden. Im Schuljahr 2011/2012 findet dazu ein Projekttag in der ganzen Schule statt.

Der vierte Aspekt, der eine rauchfreie Schule postuliert, wurde noch nicht eingehend  behandelt. Die Schulregeln beinhalten ein striktes Rauchverbot auf dem gesamten Schulgelände. Eine einheitliche Intervention bei Missachten des Verbotes wurde bisher noch nicht beschlossen. Dieser Aspekt wird jedoch zeitnah in einer Lehrerkonferenz zum R A D behandelt werden.

Unsere Schule hat eine so genannte „Rote Mappe“ als Dokumentationsinstrument eingeführt. In diese Mappe werden alle schwerwiegenden Vorfälle dokumentiert.

Das heißt, jeder Anti-Gewalt-Brief, die schwerwiegenden Respektbriefe oder andere gewichtige Vorfälle werden dort abgeheftet. Verwaltet wird diese Mappe von der Schulleitung, damit diese immer über schwerwiegende Vorfälle an der Schule informiert ist und weiterführende Sanktionen veranlassen kann. Hat ein Schüler drei Einträge in dieser Mappe, findet in der Regel eine Ordnungsmaßnahme statt.

Evaluationen zeigen, dass seit der Einführung und der gemeinsamen und konsequenten Umsetzung des Erziehungskonzeptes die Belastung der Kollegen im Zusammenhang mit Schülerverhalten stark reduziert worden ist. Darüber hinaus empfinden Lehrer wie Schüler, dass das Schulklima sich dadurch stark verbessert hat.

Zu erwähnen ist, dass es großes Interesse anderer Schulen zur Einführung und Umsetzung dieses Erziehungskonzeptes gab und gibt. 

Natürlich gibt es auch festgeschrieben flankierende Maßnahmen, die ein soziales Miteinander fördern sollen. So ist für die Klassen der Stufe 5 eine Klassenfahrt festgeschrieben. Diese soll sich positiv auf das Sozialverhalten in der Klasse auswirken und einen starken Klassenverband anbahnen.

In der Stufe 6 findet das Zweibahnstraßen-Projekt an unserer Schule statt. Dieses Projekt wird durch zwei Mitarbeiter der mobilen Jugendarbeit der Stadt Bergheim in allen Klassen dieser Stufe durchgeführt. In diesem Projekt geht es ausschließlich um gewaltpräventive Inhalte. In diesem Schuljahr ist ein weiteres Projekt zur Gewaltprävention geplant. Dieses heißt „Fair ist cool!“ und wird in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern von Zartbitter in den Klassen der Stufe 5 durchgeführt. Nach der Evaluation des Projektes wird entschieden, ob dieses im Schulprogramm verankert und jährlich stattfinden wird.

Im Stundenplan der Klassen der Stufen 5 bis 7 ist eine KlaGe-Stunde ausgewiesen. In diesen Stunden geht es um die Belange der Klasse, was die Klassengemeinschaft stärken soll. 

In unserer Schule gibt es eine Schülerstreitschlichtung. Ab Stufe 7 können sich Schüler als Streitschlichter ausbilden lassen . In jeder Mittagspause stehen allen Schülern zwei ausgebildete Schülerstreitschlichter der Stufen 9 und 10 zur Schlichtung von Konflikten zur Verfügung. Auf diese Weise lernen die Schüler Perspektivenwechsel in Streitfällen vorzunehmen, eigene Schuldanteile zu erkennen und soziale Lösungen in Konflikten zu finden. 

Ein wichtiger Bereich des Erziehungskonzeptes bildet die Gesundheitserziehung. So gibt es neben der jährlichen Zahnuntersuchung und –lackierung, einen Hör- und Sehtest, den eine Ärztin des Gesundheitsamtes mit Kindern des 5. Schuljahres durchführt auch den onlinegestützten Bewegungs-check-up, der am Anfang des Schuljahres mit den Schülern der fünften Klasse durchgeführt und ausgewertet wird. Seit Jahren nimmt unsere Schule erfolgreich am Nichtraucherwettbewerb „Be smart – Don’t start“ der AOK teil und gewinnt dabei regelmäßig Preise.

Projekte zur gesunden Ernährung für das sechste Schuljahr haben in Kooperation mit unserem KURS-Partner Kaufland bereits stattgefunden. Für Schüler der Stufen 8 und 9 gibt es ein WPU-Angebot zur Stressbewältigung. Auch unser Schulsanitätsdienst inklusive der Erste-Hilfe-Ausbildung sind Bestandteil unserer gesunden Schule.

In Kooperation mit der AWO findet durch außerschulische Fachkräfte eine AIDS-Prophylaxe in den Stufen 5, 7 und 8 statt.

Ein wichtiges Thema an der Schule ist die Lehrergesundheit. Mit der ganztägigen pädagogischen Tagung zum Thema „Von der Belastungsanalyse zur Entlastungsplanung“ wurden viele Aspekte zur Lehrergesundheit eruiert und umgesetzt. So wurde die Entwicklung eines Erziehungskonzeptes durch diese Konferenz auf den Weg gebracht. Es gibt z.B. einen absoluten Ruheraum zur Entspannung. Beim Vertretungsunterricht gilt der Grundsatz die Belastungssituation der Kollegen mit zu berücksichtigen.

Im Schuljahr 2012/2013 ist der Baustein Gesunde Schule ein Schwerpunktthema, wozu eine ganztägige pädagogische Konferenz stattfinden soll.

Ziel dieser Konferenz ist die Bündelung der einzelnen Aktivitäten und Maßnahmen zur Gesundheitserziehung zu einem Konzept Gesunde Schule und die Anregung neuer Entlastungsstrategien für Kollegen.

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